Schenkelhernien-OP

Allgemeine Informationen

Die Schenkelhernie (Schenkelbruch, Femoralhernie) gehört zu den am häufigsten auftretenden Hernien bei Frauen. Schenkelhernien sind immer erworben und treten überwiegend bei älteren Frauen auf. In seltenen Fällen können Schenkelhernien auch bei Männern auftreten, beispielsweise nach einer vorangegangenen Leistenbruchoperation. Bei der Schenkelhernie kommt es zu einem Bruch unterhalb des Leistenbandes, so dass die Vorwölbung meist auf der Oberschenkelinnenseite zu sehen ist. Schenkelhernien sind im Allgemeinen schmerzhaft und weil es bei Schenkelhernien schnell zur Einklemmung von Darmanteilen kommen kann, erfolgt in der Regel eine Schenkelhernien-Op.

Entstehung einer Schenkelhernie

Meistens entstehen Schenkelhernien im Lauf des Lebens – angeborene Schenkelhernien sind äußerst selten. Bei der Entstehung einer Schenkelhernie wird zunächst Fettgewebe durch eine Druckerhöhung im Bauchraum in den Schenkelkanal gepresst. Eine solche Druckerhöhung kann zum Beispiel nach einer oder mehreren Schwangerschaften auftreten oder bei Übergewicht. Allerdings kann auch ein normaler Druck in Kombination mit einer meist im Alter entstehenden Bindegewebsschwäche den gleichen Effekt haben. In seltenen Fällen können sich auch Schwachstellen durch Operationen gebildet haben (wie z.B. nach einer Leistenbruchoperation).

Ist der Schenkelkanal erst einmal durch das Fettgewebe geweitet, können durch diesen auch Eingeweideteile gepresst werden, die unter Umständen an der Durchtrittsstelle einklemmen, was das Risiko birgt, dass diese eingeklemmten Darmanteile absterben, weil sie von der Blutzufuhr abgeschnitten sind. In 60 Prozent der Fälle treten Schenkelhernien rechts auf, in 20 Prozent der Fälle kommen Schenkelhernien beidseitig vor.

Diagnose einer Schenkelhernie

Nicht alle Schenkelhernien lassen sich auf den ersten Blick erkennen. Insbesondere bei stark übergewichtigen Menschen ist es manchmal schwierig, eine Schenkelhernie festzustellen, weil Haut und Gewebe die Vorwölbung verdecken. Sofern die Schenkelhernie von außen zu sehen ist, stellt sie sich als sichtbare und tastbare Schwellung unterhalb des Leistenbandes am Oberschenkelansatz dar – meist als mehr oder weniger großer Knoten.

Das Leistenband befindet sich zwischen dem vorderen Beckenknochen und dem Schambein. Ist die Schenkelhernie nicht sofort zu sehen und zu tasten, kann es sein, dass sie erst entdeckt wird, wenn bereits Darmanteile eingeklemmt wurden, was zu starken Schmerzen führt – unter Umständen in Kombination mit Übelkeit und Erbrechen.

Sollte der Verdacht auf eine Schenkelhernie bestehen, die aber nicht direkt sicht- und tastbar ist, sollte in jedem Fall ein Ultraschall (Sonographie) gemacht werden. Zuweilen sind auch eine Computertomographie (CT) oder ein MRT erforderlich.

Behandlung von Schenkelhernien

Schenkelhernien werden, wie bereits gesagt, in der Regel operativ versorgt, außer es gibt gewichtige Gründe, die gegen eine Operation sprechen (z.B. schlechte körperliche Verfassung). Im Fall einer Einklemmung von Eingeweideteilen kann bei einer Schenkelhernie sogar eine Notoperation erforderlich werden. Operiert werden kann die Schenkelhernie in Lokal- oder Vollnarkose. Handelt es sich um eine Schenkelhernie mit Einklemmung wird in der Regel die Vollnarkose bevorzugt, weil dann der Operationsschnitt leichter erweitert werden kann, sofern dies erforderlich ist.

Prinzipiell lassen sich zwei Techniken der Schenkelhernien-Operation unterscheiden. Bei kleinen Brüchen ist es häufig ausreichend, die Bruchlücke mit einem nicht auflösbaren Faden durch eine direkte Naht zu verschließen. Liegt ein größerer Bruch vor, kann die Lücke zusätzlich mit einem ausreichend großen Kunststoffnetz versorgt werden, um das Risiko eines Wiederauftretens der Schenkelhernie (Schenkelhernien-Rezidiv) zu verringern. Es gibt die offene Schenkelhernien-OP mittels Bauchschnitt und die geschlossene Schenkelhernien-OP mittels Bauchspiegelung.

Vorbereitende Maßnahmen vor einer Schenkelhernien-OP

Schenkelhernien können bei ansonsten gesunden und fitten Menschen tageschirurgisch versorgt werden, sofern sie endoskopisch operiert werden. Dies bedeutet, dass Betroffene am Operationstag in die Klinik kommen und nach durchgeführter Schenkelhernien-Operation und der üblichen postoperativen Überwachung wieder nach Hause gehen können. Sie kommen dann zwei bis drei Tage nach der Schenkelhernien-OP zu einer Wundkontrolle.

Bei eingeklemmten Schenkelhernien und Hernien die offen operiert werden, ist in der Regel eine stationäre Behandlung notwendig. Durch Einläufe oder Abführmittel erfolgt am Vorabend der Schenkelhernien-Operation die Darmreinigung. Zudem erfolgt vor der Schenkelhernien-OP ein Aufklärungsgespräch mit dem behandelnden Anästhesisten über die Art des geplanten Narkoseverfahrens (Vollnarkose oder Lokalanästhesie) und ein Gespräch mit dem operierenden Chirurgen, in dem Betroffene über die geplante Schenkelhernien-OP informiert und die häufigsten Komplikationen der Schenkelhernien-OP und der postoperative Verlauf erklärt werden.

Operationsmethoden

Es gibt grundsätzlich zwei Wege zur operativen Behandlung einer Schenkelhernie: die offene und die laparoskopische Methode. Bei der offenen Schenkelhernien-OP wird, nach Verlagerung oder Abtragen des Bruchsackes, die Bruchlücke (der Bruchweg) durch Nähte verschlossen. Häufig entsteht dabei allerdings eine Spannung, die Schmerzen verursachen und zu einem Rezidiv führen kann.

Die laparoskopische Schenkelhernien-OP (minimal invasiv) wird mittels kleineren (2-12 mm) Schnitten durchgeführt. Über diese kleinen Schnitte werden die chirurgischen Instrumente und eine Optik mit Videokamera in die Bauchhöhle eingebracht und der Bruch wird an seinem Ursprung freigelegt. Ein nicht resorbierbares (sich nicht selbst auflösendes) Netz aus Polypropylen wird über die Bruchpforte gespannt und an der Bauchwand von innen befestigt. Darüber wird das Bauchfell wieder verschlossen. Das Narbengewebe wächst in die Gitterstruktur des Netzes und lässt eine neue Schicht entstehen, die meist spannungsfreier ist als hätte man die Haut direkt zusammengenäht.

Offene Schenkelhernien-OP mittels Bauchschnitt

Bei der offenen Schenkelhernien-OP wird der Bruchsack über einen Schnitt freigelegt und eröffnet. Sodann wird der Inhalt in die Bauchhöhle zurückverlagert, der Bruchsack gekürzt und verschlossen. Die Bruchpforte wird ebenfalls verschlossen. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • offene Schenkelhernien-OP mittels direkter Naht: Bei sehr kleinen Brüchen kann man die Bruchpforte direkt mittels einer Naht verschließen.
  • offene Schenkelhernien-OP mittels Fasziendoppelung: Bei dieser Methode werden die Ränder der Bauchwandschichten (Faszien) gedoppelt. Die Schichten werden überlappend vernäht, um eine größere Stabilität zu erreichen. Diese Operationsmethode wird auch als Mayo-OP oder Operation nach Shouldice (v.a. bei Leistenbruchoperationen) bezeichnet.
  • offene Schenkelhernien-OP mit der Lichtenstein-Methode: Bei der sogenannten Lichtenstein-OP wird das Kunststoffnetz direkt auf die Fascia transversalis (innere Bauchwandfaszie) genäht. Die Einlage des Netzes erfolgt also zwischen Bauchwandfasie und Bauchmuskulatur. Man spricht auch von einer onlay technique.

Bei allen Schenkelhernien-Operationsverfahren, die mit der Einlage eines Netzes arbeiten, ist zu beachten, dass die Größe des Kunststoffnetzes so gewählt wird, dass das Netz mit dem gesunden und stabilen Gewebe deutlich überlappt und gut einheilen kann. Damit ist das Netz also immer größer zu wählen als die eigentliche Bruchlücke, wodurch ein weitgehend spannungsfreier Verschluss der Bruchpforte gelingt.

Geschlossene Schenkelhernien-OP mittels Bauchspiegelung

Dieser Zugang durch die Bauchdecke, der auch als laparoskopische Schenkelhernien-OP bezeichnet wird, hat sich zunehmend durchgesetzt, weil er weniger traumatisierend ist und die Liegezeiten in der Klink verkürzt werden. Prinzipiell wird bei der geschlossenen Schenkelhernien-OP ein Kunststoffnetz in die Bauchwand eingebracht.

Während bei der offenen Schenkelhernien-OP der Hautschnitt direkt im Bereich der Schenkelhernie erfolgt, wird bei der minimal-invasiven geschlossenen Schenkelhernien-OP ein Zugang zur Bauchhöhle über kleine Hautschnitte fernab von der eigentlichen Bruchregion geschaffen. Bei den endoskopischen Schenkelhernien-Operationsverfahren gibt es hauptsächlich zwei Techniken, die sich allerdings sehr ähnlich sind:

  • TEP-Technik (Total Extraperitoneale Patch Plastik.): Extraperitoneal bedeutet außerhalb der Bauchhöhle, was meint, dass keine Öffnung des Bauchraumes erforderlich ist. Bei dieser Technik können beide Seiten zugleich behandelt werden. Insbesondere jüngere, aktive Menschen profitieren von der Technik, weil sie nach der Schenkelbruch-OP schneller wieder aktiv werden können.
  • TAPP-Technik (Transabdominelle Präperitoneale Plastik bzw. Transabdominelle Patch Plastik): Transabdominell bedeutet durch die Bauchhöhle. Und auch diese Technik eignet sich zur Behandlung beider Seiten und für jüngere, aktive Menschen.

Postoperative Behandlung

Nach der Schenkelhernien-OP können Betroffene je nach Art der Narkose und des Operationsverfahrens gleich oder nach einer ausreichenden Ruhezeit aufstehen. Längere Liegezeiten sind nach einer Schenkelhernien-OP unnötig und sollten wegen der Gefahr einer Thrombose mit nachfolgender Embolie vermieden werden.

Der erste Verbandswechsel erfolgt am zweiten oder dritten Tag nach der Schenkelhernien-OP. Geduscht werden kann ebenfalls nach etwa diesem Zeitraum. Die Fäden werden entweder am zehnten Tag nach der Schenkelhernien-OP entfernt oder es bedarf gar keiner Entfernung, sofern selbstauflösendes Nahtmaterial verwendet wurde. Die Arbeitsfähigkeit ist je nach beruflicher Belastung zwei bis drei Wochen nach der Schenkelhernien-OP wiederhergestellt. Sportliche Aktivitäten sollten erst drei bis vier Wochen nach der Schenkelhernien-OP wiederaufgenommen werden. Das Heben von schweren Gegenständen über zehn Kilogramm sollte für etwa zwei Monate nach der Schenkelhernien-OP vermieden werden.

Risiken und Komplikationen

Neben den für alle Operationen geltenden allgemeinen Komplikationen wie Blutungen, Infektionen, Thrombosen und Emboliegefahr, sind bei Schenkelhernien-Operationen Schwellungen im OP-Bereich – bedingt durch Blutergüsse oder Gewebewasseransammlungen – möglich. In aller Regel verschwinden diese aber nach kurzer Zeit wieder. Auch leichte Schmerzen im Operationsbereich oder Gefühlstörungen können nach der Schenkelhernien-OP auftreten. Während die Schmerzen bald nachlassen, können Gefühlsstörungen in kleinen Hautbereichen länger anhalten.

Das Operieren in enger Nachbarschaft zum Darm, der Blase, Gefäßen und Nerven birgt immer eine potentielle Gefährdung dieser Strukturen. Aber die Verletzung großer Gefäße im Rahmen der Schenkelhernien-OP ist äußerst selten. Besonders ist darauf zu achten, dass der Blutfluss in der großen Vene, die durch den Schenkelkanal zieht, ungestört bleibt, da sonst die Gefahr einer Thrombose besteht. Das Wiederauftreten des Schenkelbruchs an der gleichen Stelle kann bei allen Verfahren der Schenkelhernien-OP vorkommen, ist aber bei Verwendung von Kunststoffnetzen seltener. Verhärtungen und Schrumpfungen im Bereich der eingesetzten Kunststoffnetze sind im Rahmen der Schenkelhernien-OP äußerst selten; Allergien oder Abstoßungen der Kunststoffnetze kommen praktisch nicht vor.

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