Diagnostik


Allgemeine Informationen

Die Diagnose einer Hernie erfolgt in erster Linie durch die Befragung des Patienten zu seiner Krankengeschichte (Anamnese) und eine anschließende körperliche Untersuchung. Vor allem größere und äußere Hernien, wie beispielsweise der Leistenbruch, der Nabelbruch oder der Narbenbruch, lassen sich so in der Regel recht schnell und einfach diagnostizieren.

Weiterführende apparative Untersuchungen, wie die Ultraschalluntersuchung (Sonographie), die Röntgenuntersuchung, die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT), werden im Rahmen der Hernien-Diagnostik normalerweise nicht durchgeführt. Sie können aber unter Umständen notwendig werden, wenn es sich um kleinere oder innere Hernien handelt, die für den Arzt nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

Darüber hinaus werden diese weiterführenden Untersuchungen auch eingesetzt, um im Rahmen der Differentialdiagnostik andere Krankheiten auszuschließen und um im Vorfeld einer Hernien-Operation das genaue Vorgehen zu planen.

Arztsuche

Anamnese

Die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) stellt den ersten Schritt in der Hernien-Diagnostik dar. Um eine sichere Diagnose stellen und entsprechende Maßnahmen für eine gezielte Behandlung einleiten zu können, muss der Arzt alle wichtigen Informationen über den Patienten, seine Beschwerden und die Krankengeschichte einholen.

Hierzu befragt der Arzt den Patienten in einem persönlichen Gespräch (Anamnesegespräch) zum einen zu dessen Krankengeschichte. Hierbei geht es unter anderem darum, ob weitere Erkrankungen bekannt sind, ob der Patient derzeit bestimmte Medikamente einnimmt oder ob er unter Medikamentenunverträglichkeiten oder Allergien leidet. Vom Patienten mitgebrachte Unterlagen über frühere Untersuchungen und Behandlungen wie Arztbriefe, Röntgenbefunde oder Laborwerte können dabei sehr hilfreich sein.

Zum anderen lässt sich der Arzt die vorliegenden Beschwerden genau beschreiben. So fragt er etwa,

  • wann die Beschwerden auftreten
  • welcher Art die Beschwerden sind
  • ob sie dauerhaft bestehen
  • was die Schmerzen auslösen kann

Beschreibt der Patient dabei Symptome, die für eine Hernie typisch sind, ist dies ein erster Anhaltspunkt für den behandelnden Arzt.

Körperliche Untersuchung

Erhärtet sich durch die Anamnese der Verdacht auf eine Hernie, führt der Arzt im Anschluss daran eine eingehende körperliche Untersuchung durch. Diese umfasst in der Regel

  • die genaue Begutachtung des Patienten
  • das Abtasten des Bauchraumes
  • das Abhören verdächtiger Bereiche mit dem Stethoskop

Untersuchung des Bruchsacks

Besteht der Verdacht auf eine Bauchwandhernie, überprüft der Arzt – meist am stehenden Patienten – ob im betroffenen Bereich eine Vorwölbung und gegebenenfalls Hautveränderungen sichtbar sind. Ist die Vorwölbung, d.h. der Bruchsack, druckschmerzhaft, ist dies ein wichtiges Symptom. Darüber hinaus ertastet er die Bruchpforte, den Bruchkanal und den Bruchsackinhalt der Hernie.

Zudem prüft er, ob sich der Bruchsack durch die Bruchpforte hindurch in seine ursprüngliche Lage im Bauchraum zurückverlagern lässt (Reponierbarkeit). Je nachdem, wo die Hernie lokalisiert ist, stülpt er hierfür die Haut an der betreffenden Stelle nach innen ein.

Eine Hernie kann bei einer solchen körperlichen Untersuchung in der Regel leicht diagnostiziert werden. Die Vorwölbung ist meist gut zu sehen und die Bruchstelle leicht zu ertasten. Damit ein an sich unauffälliger Bruchsack bei der Untersuchung deutlicher hervortritt und besser zu ertasten ist, kann der Arzt den Patienten auch bitten zu husten oder zu pressen.

Genauere Bestimmung

Um schließlich festzustellen, ob sich im Bruchsack Darmschlingen befinden und ob diese gegebenenfalls eingeklemmt sind, hört der Arzt die verdächtigen Regionen mit dem Stethoskop ab. Hört er dabei Darmgeräusche, weist dies auf Darmschlingen und eine mögliche Einklemmung hin.

Stethoskop bei einer körperlichen Untersuchung
© Chepko Danil / Fotolia

Im letzten Schritt tastet und klopft der Arzt noch den gesamten Bauch des Patienten ab. Auf diese Weise kann er sich einen Eindruck vom Gesamtzustand der Bauchwand machen und möglicherweise zusätzliche Hernien entdecken.

Um was für eine Art von Hernie es sich handelt, bestimmt der Arzt anhand der Region, in der die Bruchpforte auftritt. So handelt es sich bei einer Hernie in der Leistenregion beispielsweise um einen Leistenbruch. Eine Hernie an der Innenseite des Oberschenkels wird als Schenkelhernie bezeichnet. Im Nabelbereich handelt es sich um eine Nabelhernie. Eine Hernie, die an der Mittellinie des Oberbauches auftritt, wird Epigastrische Hernie genannt.

Arztsuche

Ultraschalluntersuchung

Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann ergänzend zur körperlichen Untersuchung durchgeführt werden, um deren Befund zu überprüfen bzw. zu bestätigen. Sie ist vor allem dann notwendig, wenn es sich bei der Hernie um eine kleinere oder auch innere Hernie handelt, die bei der körperlichen Untersuchung auf den ersten Blick nicht gut zu erkennen war oder sich kaum ertasten ließ. Dies kann beispielsweise bei stark übergewichtigen Menschen oder bei einer kaum tastbaren Schenkelhernie der Fall sein.

Ultraschallgeräte liefern präzise Bilder aus dem Körperinneren, die selbst kleine Veränderungen an den Organen erkennbar machen. Auch Hernien lassen sich daher mit einer Ultraschalluntersuchung gut identifizieren. Für den Patienten ist die Sonographie völlig schmerzfrei und zudem sehr schonend, da dabei keine Röntgenstrahlen eingesetzt werden.

Röntgenuntersuchung

Die Röntgenuntersuchung stellt ein bildgebendes Verfahren dar, bei dem das Gewebe mit Röntgenstrahlen durchleuchtet wird. Eine Röntenungersuchung macht kleinste Strukturen im Körperinneren sichtbar und kann so auch Hernien eindeutig nachweisen. Bei manchen Röntgenuntersuchungen werden zusätzlich jod- oder bariumhaltige Kontrastmittel eingesetzt. Dies ist beispielsweise bei der nachfolgend beschriebenen Magen-Darm-Passage (MDP) der Fall.

Magen-Darm-Passage zur Diagnostik einer Hernie

Bei der Magen-Darm-Passage handelt es sich um eine kontrastmittelgestützte Röntgenuntersuchung des oberen Verdauungstraktes. Sie stellt den Magen und den Dünndarm dar und erleichtert die Identifizierung krankhafter Veränderungen in diesem Bereich. Auch Darmschlingen, die in einen Bruchsack vorgefallen sind, lassen sich so gut abbilden und diagnostizieren. Die Magen-Darm-Passage hilft vor allem bei der Diagnose von Zwerchfellhernien und inneren Hernien.

Da die Magen-Darm-Passage mit einer relativ hohen Strahlenbelastung verbunden ist, kommt sie jedoch nur dann zum Einsatz, wenn keine alternativen Untersuchungsmethoden zur genauen Diagnose einer eventuellen Hernie Verfügung stehen.

Durchführung einer Röntgenuntersuchung

Der Patient nimmt zunächst ein Kontrastmittel sowie ein gasbildendes Granulat oder Pulver ein. Letzteres dient dazu, die Organe des Verdauungstraktes mit Gas zu füllen, so dass sich deren Wandstrukturen entfalten und Unregelmäßigkeiten besser zu erkennen sind. Im Anschluss daran werden fortlaufend Röntgenbilder aufgenommen. Der Patient nimmt hierfür verschiedene Körperpositionen ein, bis alle Abschnitte, die für die Diagnose einer eventuellen Hernie wichtig sind, in den Röntgenbildern festgehalten sind. Der Arzt verfolgt die aufgenommenen Röntgenbilder parallel auf einem Monitor.

Aufgrund des Kontrastmittels kann der Patient kurzzeitig unter Durchfall und Blähungen leiden. Für die Untersuchung sollte der Patient nüchtern sein, da nur so ein gutes Untersuchungsergebnis erzielt werden kann. Am Tag vor der Untersuchung sollte er keine blähenden Speisen essen und am Untersuchungstag darf er bis zum Abschluss der Magen-Darm-Passage keine Nahrung zu sich nehmen. Zudem sollte er auf Kaffee, Milch und Rauchen verzichten. Medikamente sollten in Absprache mit dem Arzt am Untersuchungstag erst später eingenommen werden.

Arztsuche

Computertomographie

Bei der Computertomographie, kurz CT genannt, handelt es sich um eine computergestützte, bildgebende Röntgenuntersuchung.  Die CT stellt den menschlichen Körper in Querschnittsbildern Schicht um Schicht dar (Schnittbildverfahren). Die Computertomographie kommt vor allem bei der Diagnostik von Narbenhernien, parastomalen Hernien und Zwerchfellhernien zum Einsatz. Ziel der Untersuchung ist die Bestimmung des Ausmaßes und die Schwere der diagnostizierten Hernie.

Durchführung der Computertomographie

Während der Untersuchung liegt der Patient in einem röhrenförmigen Computertomographen. Die Röntgenstrahlen werden beim Durchdringen der verschiedenen Gewebe des menschlichen Körpers unterschiedlich stark abgeschwächt. Spezielle Detektoren erfassen diese Strahlenstärken und das Gerät berechnet daraus ein CT-Bild.

Computertomographie
© zlikovec / Fotolia

 

Anders als bei einer herkömmlichen Röntgenaufnahme, die nur grobe Strukturen und Knochen darstellt, werden bei einer CT-Aufnahme auch Weichteilgewebe detailliert erfasst. Selbst kleinste Details sind daher auf diesen CT-Bildern sehr gut zu erkennen.

Magnetresonanztomographie

Die Magnetresonanztomographie, auch Kernspintomographie genannt, gehört wie die Computertomographie zu den sogenannten Schnittbildverfahren. Diese bilden den menschlichen Körper Schicht für Schicht ab. Im Gegensatz zur Computertomographie arbeitet die Magnetresonanztomographie aber nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit starken Magnetfeldern und Radiowellen.

Metallhaltige Gegenstände wie Schmuck, Armbanduhren, Hörgeräte oder Brillen muss der Patient deshalb vor der Untersuchung ablegen. Hat ein Patient einen Herzschrittmacher oder trägt er im Körper Metallgegenstände wie Platten, Schrauben und Nägel, so sollte er den Arzt vor der Untersuchung unbedingt darüber informieren.

Magenspiegelung

Die Magenspiegelung, auch Gastroskopie genannt, ist ein bildgebendes Untersuchungsverfahren, mit dem sich die Speiseröhre, der Magen und der Zwölffingerdarm von innen betrachten lassen. Bei Bedarf können während einer Magenspiegelung mittels kleiner Instrumente auch Gewebeproben für die weitere Diagnostik entnommen werden.

Zum Einsatz kommt dabei ein Endoskop, d.h. ein dünnes, schlauchförmiges Untersuchungsgerät, an dessen Spitze sich eine Minikamera befindet. Der Arzt schiebt das Endoskop durch den Mund des Patienten bis zum Magen vor. Der Magen sollte deshalb für diese Untersuchung vollständig geleert sein. Die Bilder der Minikamera werden auf einen Monitor übertragen.

Nutzen einer Magenspiegelung

Die Magenspiegelung dient vor allem der Abklärung von Zwerchfellhernien: Sie ermöglicht es dem Arzt, zwischen einer Gleithernie mit Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Refluxkrankheit) und einer paraösophagealen Hernie, bei der ein Magenanteil in den Brustkorb hochrutscht, zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist zwingend erforderlich, um ein optimales operatives Vorgehen planen zu können.

Bei der Magenspiegelung handelt es sich in der Regel um ein für den Patienten wenig belastendes Untersuchungsverfahren. Hat dieser dennoch Angst vor der Untersuchung, kann er auf Wunsch ein leichtes Beruhigungsmittel oder auch ein Betäubungsmittel verabreicht bekommen. Die Untersuchung verläuft dann meist entspannt und schmerzfrei.

pH-Wert-Messung des Magensafts

In seltenen Fällen kann die Refluxkrankheit, sprich die Zwerchfellhernie (Hiatushernie) mit Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre, weder mittels Magen-Darm-Passage noch Magenspiegelung eindeutig diagnostiziert werden. Hier muss zusätzlich eine sogenannte 24-Stunden-pH-Metrie durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um die pH-Wert-Messung des Magensafts über einen Zeitraum von 24 Stunden.

Bei dieser Untersuchung wird während einer Magenspiegelung eine Sonde in die Speiseröhre eingelegt und dort für 24 Stunden belassen. Dabei kann bestimmt werden, wie viel Magensäure in die Speiseröhre aufsteigt. Der pH-Wert in der Speiseröhre liegt unter normalen Bedingungen nur selten unter 4. Werden bei der Untersuchung pH-Werte gemessen, die für längere Zeit unter 4 liegen, so deutet dies auf eine Erkrankung hin.

Arztsuche