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Relevante Anatomie bei Hernien

Eine Hernie beschreibt einen Bauchwandbruch, bei dem Fettgewebe und teilweise auch Eingeweide aus der Bauchhöhle nach außen gedrückt werden.

Die Bauchwand setzt sich aus verschiedenen Strukturen zusammen und schützt die inneren Organe vor äußeren Einflüssen. Gleichzeitig hält sie die inneren Organe auch in der richtigen Position in der Bauchhöhle. Bei der Entstehung von Hernien ist die Funktion der Bauchwand als Schutzbarriere gestört und die Bauchorgane finden einen Weg nach außen. Bei diesen Bauchwandbrüchen, also Hernien, werden die ausgetretenen Organabschnitte nur noch von Haut bedeckt und liegen ungeschützt an der Oberfläche.

Zur Entstehung von Hernien führt ein einfacher Mechanismus, der auf sogenannten biomechanischen Auslösern beruht. Das Anspannen der Bauchmuskulatur führt zur Erhöhung des Drucks in der Bauchhöhle (Bauchpresse) – etwa bei folgenden Tätigkeiten:

  • Anheben oder Tragen schwerer Gegenstände
  • Crunches
  • Toilettengang

Dabei werden die inneren Organe (Bauchorgane) gegen Lücken in der Bauchwand gepresst. Wenn eine der Lücken ungewöhnlich groß ist oder die Verstärkung der Bauchwand zu schwach, kann ein Bauchorgan in die vorhandenen Lücken hineingedrückt werden. Die Ausstülpung von inneren Bauchorganen, die nur noch durch Haut bedeckt werden, nennt man Hernie.

Aufgrund der Lage, Lokalisation und Entstehung unterscheidet man verschiedene Arten von Hernien, die an bestimmten Stellen des Körpers gehäuft auftreten. Im Volksmund bekannt ist insbesondere der Leistenbruch (Inguinalhernie).

Die Bauchwand
Die Bauchwandmuskulatur und das Zwechfell oberhalb des Magens

Aufbau der Bauchwand

Die Bauchwand ist von verschiedenen Muskelgruppen abgedeckt und umgeben, die nicht nur die Funktionen des Rumpfes sicherstellen, sondern auch die innen liegenden Organe und Strukturen schützen. Dies garantieren insbesondere der Aufbau der Muskulatur und die unterschiedliche Richtung der Muskelfasern. Eine trainierte Muskulatur des Rumpfes trägt also nicht nur zu einer Stärkung der Bauchwand bei, sondern auch zu einem besseren Schutz vor der Entstehung einer Hernie.

Zu der Muskulatur der Bauchwand, die vor Hernien schützen kann, zählen die seitlichen Bauchmuskeln und der vordere gerade Bauchmuskel. Daneben liegt auch Binde- und Fettgewebe in der Bauchhöhle, die vom Bauchfell ausgekleidet wird, und umhüllt die meisten inneren Organe mit einem glatten Überzug. Auf dieser Fläche sind unterschiedliche Gewebearten beteiligt, die übereinanderliegen und an der Oberfläche (nach außen) von der Haut abgedeckt sind. Diese Muskelplatte ist am Brustbein, den Rippen und der Innenseite der Lendenwirbelsäule befestigt.

Wenn die Muskulatur von der Struktur der Bauchwand abgezogen wird, erklärt sich die Entstehung von Hernien aufgrund der weiteren Anatomie der Bauchwand. Sie wird oben (Richtung Kopf) durch die unteren Rippen und am unteren Ende (Richtung Füße) durch das Leistenband abgegrenzt. Das Zwerchfell trennt den Bauchraum vom Brustraum ab.

Jeder Mensch verfügt über natürliche Lücken und Schwachstellen in seiner Bauchwand. Sie erlauben es anderen anatomischen Strukturen, hindurchzutreten und an ihren Funktionsort zu gelangen. Ein Beispiel für solch normale Lücken mit einer Funktion findet sich zum Beispiel im Fall des männlichen Leistenkanals. Hier verläuft mit weiteren Strukturen der Samenleiter aus dem Körperinneren nach vorne. Bei Männern treten daher mit einem Verhältnis von 9:1 häufiger Leistenhernien auf als bei Frauen. Dazu trägt auch bei, dass Männer häufiger schwere körperliche Tätigkeiten ausüben als Frauen. Aber auch bei Frauen kann schweres Heben oder die sogenannte Bauchpresse zu Hernien führen.

Das Zwerchfell

Dabei wölbt sich das Zwerchfell mit zwei kuppelartigen Ausstülpungen nach oben gen Brustraum. Auch hier finden sich natürliche Öffnungen. Zum Beispiel für die Speiseröhre, die Hauptschlagader und die Hohlvene. Diese Schwachstellen sind mögliche Bruchpforten, durch die zum Beispiel Organe aus dem Bauchraum in die Brust vorfallen können. Diese sogenannten Eingeweidebrüche werden als Hiatushernien bezeichnet. Doch besonders Hernien der äußeren Bauchwand sind häufig und können in verschiedenen Arten auftreten.

Der Leistenkanal

Der Leistenkanal ist ein etwa 4 bis 5 cm langer Kanal, der diagonal durch die Bauchwand führt. In diesem Kanal verlaufen wichtige Nerven, Blut- und Lymphgefäße sowie Samenstrang und Samenleiter beim Mann und bei Frauen das sogenannte Mutterband, das mit anderen Strukturen die Gebärmutter im Becken fixiert.

Die Region um den Leistenkanal, also die Leistenregion, weist gleich mehrere Stellen auf, die eine Hernie begünstigen können und daher als anatomischer „Schwachpunkt“ der Bauchwand gelten. Dies erklärt sich durch den Leistenkanal und die unterschiedlich durchziehenden Strukturen, durch die Muskulatur und Sehnen nur dünn ausgebildet sind.

Der Leistenkanal
Der Leistenkanal ist hier schräg oberhalb des Penis zu sehen

 

Entstehung eines Bauchwandbruchs

Anatomische Schwachstellen der Bauchwand entstehen durch den Aufbau von Muskeln, deren Anordnung oder das Zusammenwirken mit anderen Gewebetypen. Diese Schwachstellen begünstigen das Entstehen einer Hernie und den Austritt von inneren Organen.

Insbesondere die Bauchpresse ist ein oft unterschätztes Risiko bei der Entstehung von Hernien. Durch aktives Pressen der gesamten Rumpfmuskulatur wird diese angespannt und es entsteht ein enormer Druck, der zum Beispiel auf die inneren Organe wirkt und diese gegen die Bauchwand drückt. Ist die Bauchwand oder das Gewebe geschwächt und dessen Lücken vergrößert, kann es zu einem Bauchwandbruch, einer Hernie, kommen und ein Teil eines inneren Organs tritt aus der sicheren Bauchhöhle aus.

Eine Hernie muss stets operativ behandelt werden, um die ausgestülpten Strukturen wieder in das Körperinnere zu verlagern und die Bruchpforte zu verschließen und zu sichern.

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