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Anatomie einer Hernie

Allgemeine Informationen

Eine Hernie beschreibt einen Bauchwandbruch. Im Volksmund bekannt ist insbesondere der Leistenbruch (Inguinalhernie). Zur Entstehung von Hernien führt ein einfacher Mechanismus, der auf sogenannten biomechanischen Auslösern beruht. Zu einer Hernie (Bauchwandbruch) kommt es wenn die Muskulatur der Bauchwand angespannt wird, zum Beispiel bei der sogenannten Bauchpresse, die beim Anheben schwerer Gegenstände, beim Tragen schwerer Sachen, bei Crunches oder auch beim Toilettengang auftritt.

Durch die Bauchpresse erhöht sich der Druck im Körperinneren, also im Bauchraum und auf die Bauchwand. In der Folge werden die inneren Organe (Bauchorgane) gegen Lücken in der Bauchwand gepresst. Wenn eine der Lücken ungewöhnlich groß ist oder die Verstärkung der Bauchwand zu schwach, kann ein Bauchorgan in die vorhandenen Lücken hineingedrückt werden. Die Ausstülpung von inneren Bauchorganen, die nur noch durch Haut bedeckt werden, nennt man Hernie.

Die Bauchwand

Die Bauchwand ist aus verschiedenen Strukturen aufgebaut, die ein komplexes Zusammenspiel ergeben, damit die inneren Organe (Bauchorgane) bestmöglich vor äußeren Einflüssen geschützt werden. Gleichzeitig schützen die Bauchwand und deren Strukturen die inneren Organe auch vor einem Austritt aus der Bauchhöhle und halten sie in der richtigen Position. Bei der Entstehung von Hernien ist die Funktion der Bauchwand als Schutzbarriere gestört und die Bauchorgane finden einen Weg nach außen. Bei Hernien (Bauchwandbrüchen) werden die ausgetretenen Organabschnitte nur noch von Haut bedeckt und liegen ungeschützt an der Oberfläche.

Auch die normalen anatomischen Strukturen, die die Bauchwand bilden und die innen liegenden Organe schützen, weisen im Normalfall Lücken und Öffnungen auf. Diese haben eine sinnvolle Funktion. Sie erlauben es anderen anatomischen Strukturen hindurchzutreten, um an ihren Funktionsort zu gelangen. Ein Beispiel für solch normale Lücken mit einer Funktion findet sich zum Beispiel im Fall des Leistenkanals, durch den gemeinsam mit weiteren Strukturen der Samenleiter aus dem Körperinneren nach vorne läuft (beim Mann). Auf dieser Grundlage beruht zum Beispiel auch die Tatsache, dass eine Hernie bei Männern häufiger vorkommt als bei Frauen.

Das Verhältnis liegt bei 9:1 und es lässt sich damit begründen, dass der männliche Leistenkanal, das männliche Becken und der Mann an sich grundsätzlich höheren Belastungen ausgesetzt sind. Zu den Belastungen, besonders bei Männern, die zu einer Hernie führen können, zählt schwere Belastung, ein aktives Sexleben oder starkes Bauchpressen (bei schwerem Heben zum Beispiel).

Aber auch bei Frauen kann schweres Heben oder die sogenannte Bauchpresse zu Hernien (Bauchwandbruch) führen. Insbesondere die Bauchpresse ist ein oft unterschätztes Risiko bei der Entstehung von Hernien. Durch aktives Pressen der gesamten Rumpfmuskulatur wird diese angespannt und es entsteht ein enormer Druck, der zum Beispiel auf die inneren Organe wirkt und diese gegen die Bauchwand drückt. Ist die Bauchwand oder das Gewebe geschwächt und dessen Lücken vergrößert, kann es zu einem Bauchwandbruch, einer Hernie, kommen und ein Teil eines inneren Organs tritt aus der sicheren Bauchhöhle aus.

Aufbau der Bauchwand

Die Bauchwand liegt schützend über den inneren Organen und ist natürlicherweise von verschiedenen Muskelgruppen abgedeckt und umgeben, die nicht nur die Funktionen des Rumpfes sicherstellen, sondern auch die innen liegenden Organe und Strukturen schützen. Dies garantieren insbesondere der Aufbau der Muskulatur und die unterschiedliche Richtung der Muskelfasern. Eine trainierte Muskulatur des Rumpfes trägt also nicht nur zu einer Stärkung der Bauchwand bei, sondern auch zu einem besseren Schutz vor der Entstehung einer Hernie.

Wenn die Muskulatur von der Struktur der Bauchwand abgezogen wird, erklärt sich die Entstehung von Hernien (Bauchwandbrüchen) aufgrund der weiteren Anatomie der Bauchwand. Sie wird oben (Richtung Kopf) durch die unteren Rippen und am unteren Ende (Richtung Füße) durch das Leistenband abgegrenzt.

Auf dieser Fläche sind unterschiedliche Gewebearten beteiligt, die übereinanderliegen und an der Oberfläche (nach außen) von der Haut abgedeckt sind. Direkt darunter liegt das Unterhautfettgewebe, welches die Muskeln mit deren Sehnen bedeckt.

Zu der Muskulatur der Bauchwand, die vor Hernien schützen kann, zählen die seitlichen Bauchmuskeln und der vordere gerade Bauchmuskel. Verknüpft in einer engen Verbindung mit den Bindegewebestrukturen hält die Muskulatur die inneren Organe sicher zusammen und in der richtigen Position. Daneben liegt auch Binde- und Fettgewebe in der Bauchhöhle, die vom Bauchfell ausgekleidet wird, und umhüllt die meisten inneren Organe mit einem glatten Überzug.
Abb. 4Die untere Begrenzung der Bauchwand wird vom Leistenkanal dargestellt, der ein etwa 4 bis 5 cm langer Kanal ist, der die Bauchwand durchzieht. Der Leistenkanal verläuft diagonal von hinten oben nach vorne unten. Dabei führt er wichtige Nerven, Blut- und Lymphgefäße sowie Samenstrang und Samenleiter beim Mann und bei Frauen das sogenannte Mutterband, welches mit anderen Strukturen die Gebärmutter im Becken fixiert.

Die Region um den Leistenkanal wird auch als Leistenregion bezeichnet und weist gleich mehrere Stellen auf, die eine Hernie begünstigen können und die als anatomischer „Schwachpunkt“ der Bauchwand gelten. Dies erklärt sich durch den Leistenkanal und die unterschiedlich durchziehenden Strukturen, durch die Muskulatur und Sehnen nur dünn ausgebildet sind.

Innenliegend wird die Bauchwand durch das Zwerchfell begrenzt, welches den Bauchraum vom Brustraum trennt.

Diese Muskelplatte ist am Brustbein, den Rippen und der Innenseite der Lendenwirbelsäule befestigt. Dabei wölbt sich das Zwerchfell mit zwei kuppelartigen Ausstülpungen nach oben gen Brustraum. Auch im Zwerchfell finden sich natürliche Öffnungen. Zum Beispiel für die Speiseröhre, die Hauptschlagader und die Hohlvene. Auch diese stellen mögliche Bruchpforten dar, durch die zum Beispiel Organe aus dem Bauchraum in die Brust vorfallen können. Diese sogenannten Eingeweidebrüche werden als Hiatushernien bezeichnet.

Doch besonders Hernien der äußeren Bauchwand sind häufig und können in verschiedenen Arten auftreten. Dabei muss jede Hernie operativ behandelt werden, um die ausgestülpten Strukturen wieder in das Körperinnere zu verlagern und die Bruchpforte zu verschließen und zu sichern.

Entstehung eines Bauchwandbruchs

Die Bauchwand ist natürlicherweise so konstruiert, dass die inneren Organe gut geschützt sind und keine Verletzungen entstehen können, weder von innen, noch von außen. Doch es gibt in den anatomischen Gegebenheiten auch Schwachstellen, die durch den Aufbau von Muskeln, deren Anordnung oder das Zusammenwirken mit anderen Gewebetypen entstehen. Diese Schwachstellen begünstigen das Entstehen einer Hernie und den Austritt von inneren Organen. Aufgrund der Lage, Lokalisation und Entstehung unterscheidet man verschiedene Arten von Hernien, die an bestimmten Stellen des Körpers gehäuft auftreten.

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